BAG Moot 2015/16- Erfahrungsbericht

„Ein Tag auf höchstem arbeitsrechtlichem Niveau“
Der 6. Moot Court-Wettbewerb des Bundesarbeitsgerichts, 21. Januar 2016
Von Kim Vanessa Beyer

Seit 2006 richtet das Bundesarbeitsgericht (BAG) in Erfurt alle zwei Jahre einen Wettbewerb in Form einer Gerichtssimulation (sog. Moot Court) aus. Die Teams bestehen aus bis zu drei Studierenden und vertreten in einem fiktiven arbeitsrechtlichen Fall entweder die Arbeitgeber- oder die Arbeitnehmerseite. Der BAG Moot gliedeBundesarbeitsgericht-Erfurt-4rt sich in einen schriftlichen Teil, in dem die Teams Schriftsätze erstellen, und in einen mündlichen Teil, in dem die Studierenden im Rahmen einer mündlichen Verhandlung vor einer aus Richtern des BAG bestehenden Jury ihre Argumente vortragen. Im Januar 2016 fand der Moot Court mit insgesamt 32 Teams zum sechsten Mal
statt.

Die Humboldt-Universität zu Berlin war mit zwei Teams vertreten, bestehend aus den Studentinnen Kim Vanessa Beyer, Bea Hajek und I
nga Gerson (HU I) sowie Franziska Stamm, Adriana Deckert und Katrin Herzog (HU II). Die akademische Betreuung übernahmen Prof. Dr. Reinhard Singer sowie seine wissenschaftlichen Mitarb
eiter Benjamin Beck und Stephan Klawitter und die studentiscBAG_2he Mitarbeiterin Katharina Sophie Fischer.

In diesem Jahr stritten die fiktiven Parteien um eine Lohnforderung des Mitglieds eines gemeinnützigen Vereins. Das Mitglied hatte im Rahm
en eines Mitgliedschaftsvolontariats Dienstleistungen erbracht und wollte diese nunmehr vergütet wissen. Beide Teams der HU vertraten die Klägerseite und erstellten eine Klageschrift, in der sie die für den Kläger günstigen juristischen Argumente darstellten. Für die Studentinnen, die durch die eher theoretische geprägte universitäre Ausbildung vor allem in einer wissenschaftlichen Herangehensweise geschult waren, stellte dies eine besondere Herausforderung dar. Mit viel Engagement und unermüdlichem Einsatz entwickelten beide Teams überzeugende Schriftsätze, die sie Anfang Dezember beim Bundesarbeitsgericht fristgerecht einreichten. Nach Erhalt der gegnerischen Schriftsätze setzten sich die Teams intensiv mit den gegnerischen Argumenten auseinander und erarbeiteten Strategien für eine Verteidigung in der mündlichen Verhandlung.

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Auf die mündliche Verhandlung konnten sich die Teams in Probe-Pleadings mit unseren Sponsoren vorbereiten und hatten so Gelegenheit den Ablauf einer solchen mündlichen Verhandlung unter Realbedingungen zu üben. Die Probe-Kammern bestanden aus den Rechtsanwälten Dr. Michael Witteler, Paul Brummer und Alexander Huber (Pusch Wahlig Legal) sowie Dr. Ulrike Conradi, Carsten Brachman und Irene Menzel (Ogletree Deakins LLP). Unterstützt wurden die Teams von Dr. Gerhard Binkert (Präsident des LAG Berlin-Brandenburg a.D.).

Am 21. Januar war es endlich soweit: Die 32 Teams traten in vier Gruppen an. Jeweils das beste Team der Gruppe würde das Halbfinale erreichen. Die Sieger des Halbfinales traten am Schluss im Finale vor dem „großen Senat“ mit fünf Bundesrichtern gegeneinander an. Unsere beiden Teams, denen zunächst die Arbeitnehmerseite zugeteilt war, konnten die Richter durch ihre SchriftsätzBAG_3e und Argumente zwar überzeugen, verpassten jedoch knapp den Einzug ins Halbfinale. Besonderes Lob erhielten die Studentinnen für ihre rhetorischen Fähigkeiten und die besondere Schlagfertigkeit, mit der sie auf die Nachfragen der Richter reagierten. Auch sie trugen dazu bei, dass die Richter am Abend den Wettbewerb als „einen Tag auf höchstem arbeitsrechtlichem Niveau“ resümierten.

Alle Teilnehmerinnen sind der Auffassung, dass der Wettbewerb eine echte Bereicherung darstellte. Die anwaltliche Herangehensweise an Problemstellungen ist anspruchsvoll, spannend und motiviert für die eigene Zukunft. Der Wettbewerb ist die perfekte Gelegenheit, Teamwork und Durchsetzungsvermögen zu trainieren. Sie empfehlen allen Kommilitonen, an einem Moot Court teilzunehmen!

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