Erfahrungsbericht

Jessup-Team der Humboldt-Universität ist erfolgreichstes deutsches Team seit Jahrzehnten

Zum dritten Mal in den vergangenen fünf Jahren war die Humboldt-Universität bei den internationalen Runden des Philip C. Jessup Moot Courts in Washington D.C. vertreten und konnte als zweites deutsches Team in der über 60-jährigen Geschichte des Jessup das Viertelfinale erreichen. Damit ist das diesjährige Team der Humboldt-Universität das erfolgreichste Team aus Deutschland seit Jahrzehnten. Bei den Internationalen Runden vom 09. bis 15. April 2017 waren in diesem Jahr 145 Teams aus 89 verschiedenen Staaten vertreten. Das Team besteht aus Louise Majetschak, Philipp Schönberger, Moritz Schramm, Isabel Walther und Coachin Lena Riemer.

Neben dem Einzug ins Viertelfinale konnte das Team auch den Preis für einen der besten Schriftsätze (17. Platz) feiern. Besonders hervorzuheben ist außerdem Louise Majetschak, welche mit einem Best Oralist Preis (8. Platz von über 400 Teilnehmern und Teilnehmerinnen) ausgezeichnet wurde. Insgesamt landeten drei unserer Teilnehmer und Teilnehmerinnen unter den Top 100. In Washington D.C. setzte sich das Team gegen Universitäten aus Kanada, den Vereinigten Staaten, Ägypten, Ghana, Ungarn und Neuseeland durch. Das Aus folgte letztendlich im Viertelfinale gegen die Norman Manley Law School aus Jamaica, welche wiederum im Finale der Universität Sidney aus Australien unterlag. Besondere Highlights der Reise nach Washington D.C. waren der sog. „Go-National-Dress-Ball“, ein Frühstück mit den Autoren des diesjährigen Sachverhalts sowie der Austausch mit und das Kennenlernen von anderen Teams sowie mit Teilnehmern und Teilnehmerinnen der gleichzeitig stattfindenden Jahrestagung der American Society of International Law.

Der ‚Jessup’ ist der weltweit älteste und größte Moot Court. Er findet auf dem Gebiet des Völkerrechts statt. In diesem Jahr ging es vor allem um das Verhältnis von Umweltvölkerrecht und Menschenrechten, internationales Kulturgüterrecht‚ „Burden Sharing“ im internationalen Migrationsrecht sowie die Durchsetzung multilateraler Menschenrechtsverträge. Im Rahmen des Jessups wird eine Verhandlung vor dem Internationalen Gerichtshof simuliert und ein fiktiver Fall abgehandelt. Jedes Team stellt abwechselnd die Kläger- als auch die Beklagtenseite. In Deutschland nahmen 21 Teams am nationalen Vorentscheid teil. Weltweit sind über 640 Teams aus fast 100 Staaten vertreten.

Das Team hat die German National Rounds gewonnen und auch diesen Titel zum zweiten Mal innerhalb von drei Jahren an die Humboldt-Universität geholt. Die National Rounds fanden im März in Passau statt. Neben dem Gesamtsieg errang das Team auch den Titel für die besten Schriftsätze (Runner Up) und Moritz Schramm den Preis als Best Oralist in der Finalrunde. In Passau setzte sich das Team auf seinem Weg ins Finale gegen sechs Universitäten aus ganz Deutschland durch und gewann schließlich das Finale gegen die Universität Hamburg.

 

 

Das Team möchte sich ganz herzlich bei all seinen Unterstützerinnen und Unterstützern bedanken, ganz besonders jedoch bei unserer Coachin Lena Riemer. Ohne Lenas einzigartige Mischung aus Ehrgeiz, Humor und Tatendrang wären wir nie soweit gekommen. Unser größter Dank gilt ebenfalls Professor Georg Nolte und seinem Team, die unsere Teilnahme erst ermöglicht haben. Zusätzlich hat das Netzwerk an Jessup-Alumni und Alumnae und Gastforscherinnen und Gastforschern an unserer Fakultät einen facettenreichen inhaltlichen sowie stilistischen Austausch ermöglicht. Besonderer Dank gilt auch unserem Rhetorikcoach John Faulk, der dem Team in stundenlangen Sitzungen einen ganz neuen Blick auf Möglichkeiten und Macht der Rhetorik eröffnet hat – und dies alles ehrenamtlich.

Für das diesjährige Team ist die eigene Jessup-Erfahrung nun zu Ende. Gleichwohl möchten wir jeden und jede Interessierte ermuntern im kommenden Jahr für die Humboldt-Universität teilzunehmen. Der interkulturelle Austausch, das tiefe Eintauchen in ungeklärte Rechtsfragen und die Auseinandersetzung mit der eigenen Rhetorik sind Erfahrungen, die den Jessup ganz besonders machen.

Im September 2017 wird ein neuer Sachverhalt publiziert werden, der von Studierenden in aller Welt und mit den unterschiedlichsten Hintergründen über ein halbes Jahr bearbeitet und diskutiert werden wird. Es wird um die Nichtverbreitung von Atomwaffen, Kriegsvölkerrecht sowie die Vollstreckung internationaler Urteile gehen. Auch im kommenden Jessup geht es also um aktuellste völkerrechtliche Fragen.

Informationen zur Bewerbung für den Jessup 2017/18 finden sich auf der Website von Professor Nolte.

 

Text: Moritz Schramm

Fotos: A. Zukhova (ILSA)