Erfahrungsbericht

Dritter Platz beim ersten bundesweiten Moot Court im Strafrecht

Bericht von Franziska Zietz und Philipp Meyer

Nachdem angekündigt wurde, dass dieses Jahr der erste Moot Court im Strafrecht stattfinden würde, wurde unser Team von fünf Studierenden, Franziska Zietz, Nina Lange, Lara Dieckmann, Isabella Poewe und Philipp Meyer ausgewählt, um die Humboldt-Universität zu Berlin bei diesem Wettkampf zu vertreten. Nach einem ersten organisatorischen Treffen mit unseren Mentoren, Sophie Theresa Straßer und Lukas Huthmann, folgten darauf viele inhaltliche Treffen unter uns. Wir versuchten, eine Lösungsskizze zu erarbeiten, wie wir es durch unsere Klausuren gewöhnt waren. Wir fassten Probleme, mögliche Lösungsvarianten und offene Fragen zusammen. Jedoch mussten wir bald lernen, dass der gewohnte Gutachtenstil uns zu keinem praxisnahen Plädoyer führt. Vielmehr entschieden wir uns, die Gruppe in ein Team Verteidigung und ein Team Staatsanwaltschaft einzuteilen, da für die Erarbeitung der Plädoyers fortan unterschiedliche Lösungen und Strategien genutzt werden mussten. Jedoch trafen wir uns regelmäßig alle gemeinsam, um über Fragen, auf die wir keine Antwort wussten, um Motivation zu finden oder aber auch nur um einen Kaffee zu trinken. Der Sachverhalt verlangte uns Studierenden einiges ab und forderte uns sehr. Wir arbeiteten uns in kürzester Zeit in das Sexualstrafrecht und Unternehmensstrafrecht ein, da diese eben nicht im Studium unterrichtet werden.
Nachdem wir alle Zeitschriften, Bücher und Kommentaren nach möglichen Antworten durchsucht hatten, war es Zeit sich für einen Lösungsweg zu entscheiden und das Plädoyer auszuformulieren. Sehr schnell wurde uns bewusst, wie lange es doch dauert, bis man die richtigen Worte findet, obwohl man eine Lösung im Kopf hat.

Nachdem wir uns lange innerhalb unserer Teams (Staatsanwaltschaft/Verteidigung) getroffen und dort intensiv an den Plädoyers gearbeitet hatten, stellten wir Anfang Mai unsere Plädoyers in verschiedenen Kanzleien vor. Am 2. Mai waren wir vormittags bei White & Case LLP eingeladen. Der Fokus lag bei diesem Treffen auf den unternehmensstrafrechtlichen Aspekten und der dogmatischen Argumentation. Interessant waren hierbei insbesondere die praktischen Folgen der Rechtsprechung des BVerfG für den Kanzleialltag, die uns konkret erläutert wurden. Zudem wurde die Frage, inwieweit Arbeitnehmer*innen ein Auskunftsverweigerungsrecht für eigene Verfehlungen haben, intensiv diskutiert. Die dort ausgetauschten Überlegungen fanden ebenfalls Eingang in unser Plädoyer.

Am darauffolgenden Montag wurden wir abends zu Hengeler Mueller eingeladen. Dort simulierten wir das erste Mal die konkrete Situation vor Gericht und plädierten gegeneinander. Neben inhaltlichen Tipps erhielten wir vor allem Ratschläge für das Auftreten bei unserem Moot Court, die Körperhaltung und Vortragsweise. Im Anschluss hatten wir noch die Möglichkeit Einblicke in den Arbeitsalltag der Kanzlei zu bekommen.

Kurz vor dem Moot Court, der am 17.05. in Leipzig stattfand, traf sich unser Team noch mit mehreren Anwälten bei Noerr LLP. In einem sehr interessanten und aufschlussreichen Gespräch hielten wir zunächst unsere fertigen Plädoyers und diskutierten sie dann sowohl inhaltlich als auch von der Vortragsweise her. Insbesondere die Ratschläge zur inhaltlichen Struktur unserer Plädoyers setzten wir noch am selben Tag um.

Mit Rückblick auf diese Treffen, vor denen man anfangs etwas nervös war, lässt sich sagen, dass wir als Moot Court Team unglaublich viel für unseren Wettbewerb mitnehmen konnten. Durch die zahlreichen Simulationen der Wettbewerbssituation gelang es einem deutlich an Sicherheit während des Plädoyers zu gewinnen, frei zu sprechen und selbstsicher auf Fragen und Gegenargumente zu antworten. Zudem konnten wir einen Einblick in die Arbeit der Kanzleien erlangen.

Nachdem unsere Plädoyers fertig gestellt waren und die erste Probedurchläufe erfolgten, wollten wir noch etwas an unserer Rhetorik arbeiten, denn es heißt nicht umsonst, dass gutes Sprechen eine Kunst sei. Auch wenn wir schon mehrmals an Gerichtsverhandlungen teilgenommen hatten, so ist es jedoch etwas völlig anderes, wenn man einmal selbst vor Publikum frei mit voller Überzeugung plädieren soll. Wir hatten das große Glück mit Frau Wittkopp, einer professionellen Rhetoriktrainerin, arbeiten zu können. Eigentlich war ursprünglich nur ein Trainingstag eingeplant, jedoch entschieden wir nach unserem ersten gemeinsamen Training, dass ein zweites Training am Tag vor dem Wettkampf ganz nützlich sei. Zu Beginn des ersten Trainings und nach einer kleinen allgemeinen Wiederholung, was gutes Reden ausmacht, plädierten wir vor Frau Wittkopp, wie wir es gewohnt waren. Hierbei dokumentierte Frau Wittkopp von jedem detailliert die Fehlerquellen und besprach diese hinterher mit uns. Wir alle waren sehr überrascht, wie sehr unsere Rhetorik unseren jeweiligen Vortrag beeinflusste. Mit diesen Erkenntnissen und Hausaufgaben für jeden von uns beendeten wir den Tag und übten unermüdlich weiter. An dem Tag vor dem Wettkampf fand gemeinsam mit Frau Wittkopp unsere Generalprobe und unser zweites Training statt. Wieder hielten wir vor Frau Wittkopp unser Plädoyer und versuchten alle Tipps des letzten Trainings umzusetzen. Das gelang uns ganz gut, denn selbst Frau Wittkopp war überrascht, wie schnell wir Ihre Anmerkungen umsetzen konnten. Voller Selbstbewusstsein und Vorfreude fuhren wir am Donnerstagabend nach Leipzig und beendeten den Tag entspannt mit Pizza in unserer Unterkunft.

Am nächsten Morgen ging es früh los. Nach der Begrüßung um 9:30 fanden in der juristischen Fakultät der Universität Leipzig die Vorrunden statt. Die Begegnungen wurden dabei gelost, jede Staatsanwaltschaft bekam eine Verteidigung zugelost und umgekehrt. Die Teams konnten in ihren Plädoyers dabei sowohl für dogmatische Argumentation als auch Rhetorik bis zu 90 Punkte sammeln. Unsere Staatsanwaltschaft machte den Anfang und trat um 10:30 gegen die Verteidigung der Universität Erlangen an. Jury waren vier Richter*innen und Anwälte*innen, den Vorsitz hatte ein Richter des Landgerichts Leipzig. Trotz zahlreicher Fragen des Gerichts gelang es uns dabei zu überzeugen und insbesondere auf unsere Replik gelang der Verteidigung keine überzeugende Antwort. Eine Stunde später trat auch unsere Verteidigung an und traf auf die Staatsanwaltschaft des Gastgebers, der Universität Leipzig. Auch hier überzeugt die Verteidigung durch inhaltliche Argumente und ging äußerst flexibel und geschickt auf die in der Replik eingebrachten Gegenargumente der Leipziger Staatsanwaltschaft ein.

Nach einem Mittagessen und Pause kam es zur Verkündung der Platzierungen, wobei nur die beiden besten Teams das Finale am Leipziger Landgericht bestreiten durften. Unser Team verpasste das Finale knapp, konnte sich mit dem dritten Platz dennoch über einen Podiumsplatz freuen.

Im Anschluss an die Verkündung der Platzierungen gingen alle Teams gemeinsam zum Landgericht, wo im Schwurgerichtssaal das Finale stattfand. Jury und Richter waren dabei Prof. Dr. Moosbacher, Dr. Berger und Herr Köhler vom 5. Strafsenat des Bundesgerichtshofs. In einem leidenschaftlichen Plädoyer könnte sich die Staatsanwaltschaft der Universität Köln zuletzt durchsetzen.

Die anschließende Zeit bis zur Preisverleihung nutzten wir für ein gemeinsames Abendessen mit unserem Team und Herrn Prof. Heger, der zur Unterstützung unseres Moot Court Teams am Freitag morgen nach Leipzig gekommen war. Die Preisverleihung, bei der unser Team noch ausgezeichnet wurde, folgte am Abend bei einem Sektempfang in der Moritzbastei, bei dem sich alle Teams wieder trafen. Die Chefredakteurin des Kriminalpodcasts „ZEIT Verbrechen“ Sabine Rückert hielt dazu einen Abendvortrag zum Thema „Umgang mit Sexualdelikten in der Öffentlichkeit“.

Auch wenn wir den ersten Moot Court im Strafrecht nicht für uns entscheiden konnten, so war diese Erfahrung ein Gewinn für uns alle. Wir möchten uns daher an dieser Stelle herzlich bei der Universität Leipzig und insbesondere Frau Professorin Elisa Hoven für die Initiative und tolle Organisation sowie bei Professor Martin Heger für seine Unterstützung bedanken. Ferner gilt Dank unseren Sponsoren, White & Case LLP, Hengeler Mueller, Noerr LLP und RA Heusinger von HDMW Rechtsanwälte, die uns ideell und finanziell großzügig unterstützt haben; sowie Frau Wittkopp, die sich mit großem Engagement in die Materie Moot Court in kürzester Zeit eingearbeitet und unsere Plädoyers bis ins kleinste Detail rhetorisch mit Leben gefüllt hat. Abschließend möchten wir unseren Mentoren Sophie Theresa Strasser und Lukas Huthmann danken, dafür dass sie im Hintergrund alles organisiert haben, die ganze Zeit an uns geglaubt haben und uns immer mit Rat und Tat beiseite standen. Wir können es jedem Studierenden empfehlen, die Erfahrung eines Moot Courts gemacht zu haben und hoffen, dass sich im nächsten Jahr wieder ein engagiertes und ambitioniertes Team finden lässt.