Erfahrungsbericht

Zwischen Drittwiderklagen, Drama und Dunstabzugshauben

Tosender Applaus am 13.10.2018 im Architekturgebäude der Leibniz Universität Hannover. Es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht. Die Gute: Berlin hat gewonnen. Die Schlechte: Nicht wir, sondern das Team der FU.

Dennoch wird uns der Soldan Moot Court sehr gut in Erinnerung bleiben. Der von der Hans-Soldan-Stiftung, der Bundesrechtsanwaltskammer, dem Deutschen Anwaltverein und dem Deutschen Juristen- Fakultätentag veranstaltete Soldan Moot Court für anwaltliche Berufspraxis findet seit sechs Jahren in Hannover statt. Wegen der hohen Nachfrage seitens der Studierenden konnte die Humboldt-Universität auch in diesem Jahr zwei Teams ins Rennen schicken. Außerdem wurden erstmals auch zwei Zweitsemestern die Chance gewährt. Team I bestand aus Janina Bernhard, Luise Ladenthin, Jan Breede und Maximilian Kette, Team II aus Aylin Skowronek, Jana Minge, Michelle Prüfer und Aaron Rothmann.

Anfang Juli hielten wir erstmals die Fallakte in den Händen. Anstatt eines ausformulierten Sachverhalts sahen wir uns mit 40 Emails, einer Bedienungsanleitung für Dunstabzugshauben, gerichtlichen Verfügungen und einem schier undurchdringlichen zivilprozessrechtlichen Konstrukt konfrontiert. Nachdem unsere Klausuren geschrieben waren, begannen wir mit der Ausarbeitung des Klägerschriftsatzes. Hat Rechtsanwalt Redlich unlauter gehandelt? Hat Rechtsanwalt Lauter sich redlich verhalten? Ist eine Dunstabzugshaube, welche auf Stufe 2 von 4 einen nur für Kinder hörbaren, unerträglich hohen Pfeifton von sich gibt, wirklich mangelhaft? Wie verhält es sich mit der Gesetzesnovelle zum kaufrechtlichen Gewährleistungsrecht? Und was fängt man mit dem Gesetz über den unlauteren Wettbewerb an? Dank der Unterstützung von Prof. Dr. Reinhard Singer und unseren Coaches fanden wir rechtzeitig eine Antwort auf die Fragen und schickten am Abgabetag kurz vor Mitternacht mit Augenringen, aber zufrieden und erleichtert die Schriftsätze ab.

Direkt am folgenden Tag erhielten wir die Klägerschriftsätze von anderen teilnehmenden Teams, auf welche es dann in den kommenden Wochen zu antworten galt. Hier saßen wir dann mit rauchen- den Köpfen, um auch auf die geschicktesten Argumente passende Gegenargumente zu finden – ein Perspektivwechsel, der anfangs für Verzweiflung sorgte, aber rückblickend gerade den Charme des Moot Courts ausmacht. Trotz des entspannteren Zeitfensters konnten wir es uns nicht verkneifen, bis spät abends am Abgabetag noch an den letzten Ecken und Kanten zu feilen und die Schriftsatzphase abzuschließen.

Die Argumente waren nun ausgearbeitet, der Fall verinnerlicht, aber wir standen vor einem Problem: Wie tragen wir diese Argumente für unseren Mandanten nur überzeugend bei Gericht vor? Die Grundlagen dafür erlernten wir in einem Rhetoriktraining. In den folgenden Tagen und Wochen konnten wir unsere neuen Fähigkeiten im Rahmen der „Probepleadings“ anwenden. In Zweierteams verhandelten wir dabei den Fall vor den Coaches, die als Richter die Verhandlung leiteten. Das Feedback der Teilnehmer aus den letzten Jahren und das der eigenen Teammitglieder führte dann schnell dazu, dass wir sicherer und selbstbewusster im eigenen Auftreten wurden. Der erste große Schritt bestand dann in der Teilnahme am Pre-Moot Court der Bucerius Law School in Hamburg, bei dem wir zum ersten Mal außerhalb der mittlerweile gewohnten Umgebung mit fremden Teams verhandelten. Und auf einmal war es auch schon so weit: Der Moot Court in Hannover begann.

Was folgte waren zwei spannende Tage, in denen wir uns mit viel Spaß mit den anderen Universitäten messen konnten. Vor ausgebildeten Juristen, darunter vielen Anwälten haben wir hautnah erlebt, wie es ist, als Anwalt vor Gericht zu stehen und alles für seinen Mandanten zu geben. Am Ende haben wir es leider nicht ins Finale geschafft, konnten aber den ersten Sieg der Hauptstadt beim Soldan Moot Court Wettbewerb miterleben. Was uns bleibt sind viele neue Bekanntschaften, viele wertvolle Erfahrungen und vor allem viele schöne Erinnerungen.

Nicht zuletzt möchten wir uns noch bei den Kanzleien Böhmert & Böhmert, Heidbrink und Wilmer Hale sowie der Juristischen Fakultät bedanken, die den Moot Court in diesem Jahr finanziell unterstützt und uns so diese spannende Zeit ermöglicht haben.

Text: Janina Bernhard, Aaron Rothmann