Erfahrungsbericht

Wirkliche Arbeit in einer Gruppe gibt es im Jurastudium selten, deshalb waren wir beim ersten Treffen sehr gespannt, wer uns da gegenüber sitzen würde wer unsere Teammitglieder im Soldan-Team sein würden. Obwohl wir uns alle vorher nicht kannten und aus unterschiedlichen Semestern kamen, haben wir nach ein paar Kaltgetränken an einem Sommerabend ziemlich schnell festgestellt, dass das schon alles ganz gut passen wird. 

Ein paar Wochen später bei Veröffentlichung des Falls haben wir zusammengesessen und relativ schnell festgestellt, dass sowohl die Teilnehmer als auch die Betreuer von der Materie, dem neu reformierten Reiserecht, nicht die allergrößte Ahnung haben. Wir haben uns in der Runde gemeinsam an den Fall herangetastet und die Probleme herausgearbeitet. Im Gegensatz zu einem AG-Fall kannte diesmal auch kein Betreuer im Raum die Lösung, auch mal eine interessante Abwechslung. 

In den folgenden zweieinhalb Wochen haben wir dann gemeinsam den Schriftsatz geschrieben und haben ihn fristgerecht um 23:59 eingereicht. Im Anschluss gab es für alle erstmal das wohlverdiente Feierabendbier und zwei Wochen Urlaub. 

Beim zweiten Schriftsatz lagen wir etwas besser in der Zeit und der Arbeitstag konnte schon etwas früher enden. 

Nach den beiden Schriftsätzen ging es dann an die Arbeit für die Pleadings.

Premiere für den Soldan Moot Court war dabei die Zusammenarbeit mit John Faulk, einem Rhetoriktrainer, der sonst vor allem mit den englischsprachigen Moot Courts zusammenarbeitet. Der Umgang mit John war offen und ehrlich, aber dabei nie respektlos, die Kritik war immer 100% sachlich, wenn auch manchmal hart. Geholfen hat dabei besonders, dass die ganze Einheit auf Video aufgezeichnet wurde und man sein eigenes Auftreten dadurch gut reflektieren konnte. Das Training mit John war eine tolle Erfahrung, die nicht nur für den Moot Court nützlich war, sondern auch generell unsere Wahrnehmung von Präsentationen verändert hat. 

Nach der ersten Probe in Hamburg folgten noch Pleadings bei unseren Sponsoren, Gansel Rechtsanwälte und Kiss Akademie, danach ging es auch schon nach Hannover zum Moot Court. Nach einer Pizza für alle und letzten Vorbereitungen am Vorabend ging es dann am nächsten Tag auch schon los, die Aufregung wurde hierbei nochmal in die Höhe getrieben, da noch etwas fraglich war, ob alle trotz Erkältung ihre Pleadings halten konnten. Zum Glück hat dann doch alles reibungslos funktioniert und auch die Pleadings liefen sehr gut. 

Am Ende des ersten Tages gab es noch eine große Party mit Essen und Freigetränken, beides haben wir, ganz dem Berliner Klischee, auch reichlich in Anspruch genommen.

Am nächsten Tag folgten noch die letzten Pleadings Gruppenphase, bevor bekanntgegeben wurde, wer die Viertelfinalisten sein würden. Die Freude war groß als auch eins unserer Teams der HU genannt wurde. Im Anschluss ging es dann ins Viertelfinale. Leider sind wir hier trotz einer sehr starken und souveränen Verhandlung gegen die späteren Finalisten aus Bochum ausgeschieden, die Enttäuschung war, ob der ziemlich guten Verhandlung recht groß.

Nach der Finalrunde gab es dann die Siegerehrung, in der eins unserer beiden Teams zu unserer großen Freude für den besten Schriftsatz ausgezeichnet wurde.

Mit dem Einzug ins Viertelfinale und der Auszeichnung für den besten Schriftsatz haben wir damit das beste Ergebnis für die HU beim Soldan eingefahren und waren damit alle ganz zufrieden. 

Für alle Teilnehmenden war der Moot Court dabei eine ziemlich gute Erfahrung, bei der jeder viel gelernt hat. Gerade das Pleaden hat allen viel Spaß gemacht und war eine neue Erfahrung, die man im Studium sonst nicht in der Form macht. Dabei hat besonders der Zusammenhalt und das Arbeiten in der Gruppe immer für gute Stimmung gesorgt, auch das gibt es im Unialltag in dem Maße nicht. Am Ende würden alle aus unserem Team nochmal am Moot Court teilnehmen. Das gute Abschneiden beider Teams war dann sicherlich die Krönung für einen spannenden und abwechslungsreichen Moot Court.

Max Brändle, Simon de Ridder