Bericht zur 14. Soldan Tagung

von Jennifer Hoh und Aaron Rothmann

Zu Beginn des Jahres haben wir eine Einladung zur 14. Soldan Tagung in der Bucerius Law School zum Thema „Sind Mooties die besseren JuristInnen?“ erhalten. Wir sollten als Delegation für einen Moot Court eben jenen im Rahmen der Tagung vertreten. Als ehemalige Soldan-Teilnehmer und Coaches haben wir uns entschlossen, diesen zu repräsentieren.

So haben wir uns am Donnerstag, den 20. Juni 2019 auf den Weg nach Hamburg zur Bucerius Law School gemacht.

Schon vor dem offiziellen Beginn um 17:00 Uhr wurden die einzelnen Moot Court Delegationen gebeten, sich kurz zusammenzuschließen, um einen kurzen Elevator Pitch zu Ihrem Moot Court für den kommenden Tag vorzubereiten.

So überlegten wir mit Soldan-Mooties aus Köln, Heidelberg, Hannover und Bayreuth, was genau wir einem Außenstehenden in einem maximal dreiminütigen Pitch zum Soldan Moot erzählen würden, um ihn von unseren Moot Court zu überzeugen bzw. ihn überhaupt mit diesem bekannt zu machen. Schnell waren die Argumente gefunden – der größte deutschsprachige Moot Court – zivilrechtliche (examensrelevante) Bezüge – ein relativ geringer Zeitraum für den Wettbewerb und die Möglichkeit sich vor BGH-Richtern oder Professoren wie Lorenz zu behaupten waren neben der Möglichkeit Kontakte zu knüpfen und diese bei gutem Speis und Trank zu vertiefen nur einige Gründe, die für den Soldan sprachen.

Um 17:00 Uhr begann die Tagung mit ein paar einführenden Worten von Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Katharina Boele-Woelki  (Präsidentin der Bucerius Law School) und Manfred Wissmann (Rechtsanwalt und Vorstandsvorsitzender der Hans Soldan Stiftung).

Direkt im Anschluss ging es mit einer Podiumsdiskussion zum Thema „Warum sind wir Moot-MacherInnen?“ weiter. Dabei stellten Prof. Dr. Christian Wolf (Soldan Moot), Dr. Elke Umbeck (Hanseatic CAM CCBC PreMoot) und Friedrich-Joachim Mehmel (HanseMoot) ihre Beweggründe dar, warum sie sich für Moot Courts engagieren. Dabei war der Grundkonsens, Abwechslung in das juristische Studium zu bringen und junge Studenten schon früh an die Fallbearbeitung abseits des gottgegebenen Klausursachverhalts heranzuführen.

Ein besonderer Programmpunkt war die Fallstudie zum Thema: „Was ist ein guter Moot-Court-Fall?“ von Prof. Dr. Stefan Kröll (Direktor des Willem C. Vis Arbitration Moot Courts). Nach dem in einigen Ländern stark umstrittenen Pferdesperma-Fall des letzten Vis Moot, waren die Teilnehmer der Tagung gespannt, ob Prof Kröll nicht doch ein Hinweis auf den diesjährigen Fall gibt. Dies schmetterte er jedoch gekonnt mit der Aussage ab, dass der Fall erst noch erstellt werden müsste. Aus Sicht von Prof. Kröll macht jedoch genau die Umstrittenheit des letztjährigen Falls einen guten Moot Court Fall aus – was wäre schon ein Wettbewerb, in dem sich alle Parteien einig sind. Und gerade die Größe und die Internationalität des Vis Moot machen diesen ja erst so spannend. Natürlich seien manche Themen in einigen Ländern vielleicht etwas brisanter als in anderen – aber davon lebe der Wettbewerb. Wirkliche Probleme gebe es aufgrund der Internationalität nur in der Paarung einiger Wettkämpfer, und auch diese ließen sich schnell lösen. Ein weiteres Merkmal eines guten Falls ist nach Prof Kröll, dass er vollgefrachtet sein muss – die Studenten müssen etwas zum Diskutieren haben und selbstständig erforschen, welche Probleme des Falls tatsächlich relevant sind. Um dies zu unterstreichen verriet Prof Kröll, dass er gerne auch 2-3 Finten in den Fall einbaut, die durchaus für Abwechslung im Wettbewerb sorgen aber noch nie ernstlich dazu geführt haben, dass sich ein Team total verrannt hat. Und sollte dem doch so sein, dann würden die Veranstalter der diversen PreMoots den ein oder anderen Hinweis fallen lassen. Prof. Kröll hob auch hervor, dass er wichtig findet, dass nicht nur die etablierten Universitäten, sondern auch die ganz kleinen aus Ländern welche sich eine Teilnahme eigentlich logistisch oder finanziell nicht leisten könnten, teilnehmen. In Rahmen dessen rief er ehemalige Teilnehmer aber auch die anwesenden Anwälte dazu auf, sich im Rahmen einer Patenschaft für Teilnehmer aus eben jenen Ländern zu engagieren.

Den Abschluss des erstens Tags der Tagung bildete ein „Show-Pleading des Falls des letztjährigen Soldan Moot Courts“ zwischen der Leibniz Universität Hannover und der Bucerius Law School. Noch einmal mussten sich die Studenten in die Lage einer Beauty Queen versetzen, welche über eine Online-Plattform eine Dunstabzugshaube verkauft hat.

Mit einem gemütlichen Hamburger Buffet, in Rahmen dessen sich ausgiebig über die einzelnen Moot Courts unterhalten wurde, verschiedene Modelle miteinander verglichen wurden und auch die strukturelle Organisation an den einzelnen Universitäten verglichen wurde, klang der Tag aus.

Am nächsten Morgen ging es bereits um 9:00 Uhr Uhr weiter. Im Rahmen eines Elevator Pitchs stellten die einzelnen Delegationen ihre Moot Courts vor – insgesamt immerhin 14 Stück. Natürlich waren die großen Moot Courts wie der Vis Moot, der Jessup Moot und der Soldan Moot vertreten. Überraschend war aber vor allem, wie viele kleine Moot Courts es gibt – wie zum Beispiel den Anwaltsorientierten Moot Court im Bürgerlichen Recht von der Universität Heidelberg (Fakultätseigen) und den VGH-MootCourt „Öffentliches Recht in Baden-Württemberg“.

Sodann wurde im Rahmen einer Fish Bowl zum Thema „Warum und Wie? Mooting aus beruflicher Sicht“ diskutiert. Anwälte verschiedener kleinerer und größerer Kanzleien legten dar, was für sie der Reiz am Mooting ist. Dabei wurde schnell dargestellt – NEIN – Mooties sind nicht per se die besseren Juristen – ABER – sie sind in der Regel sehr engagiert, lernen im Team zu arbeiten und Argumente mandatsbezogen darzustellen – mithin viele Sachen, die im regulären Jurastudium eher eine untergeordnete Rolle spielen, für das spätere Berufsleben aber entscheidend sein können. Aus diesem Grund sehen einige Anwälte bei ehemaligen Mooties auch gerne einmal über vielleicht nicht ganz perfekte Noten hinweg und geben den Studenten zumindest die Chance, in einem persönlichen Gespräch zu überzeugen.

Sicherlich ein Highlight war die Präsentation von John Faulk zum Thema „Die Kunst der Rede“, in welcher er sehr amüsant darstellte, welche Tipps er den von ihm betreuten Teams mit auf dem Weg gibt. Von der richtigen Intonation über die souveräne Sitzposition bis hin zum überzeugenden Kontakt zum Publikum gab er wertvolle Einblicke – und so manches Verhalten einiger Mooties stellte sich unter diesen Gesichtspunkten in einem ganz anderem Licht dar. Und natürlich durfte auch die Vorführung am lebenden Exemplar von Studenten nicht fehlen – wobei er zusammen mit dem Publikum auf charmante Art und Weiße auf die Suche nach Verbesserungspotential ging.

Anschließend stellte uns Prof. Wolfgang Armbruster kurz und knackig dar „Was ihn als Richter beeindruckt“. Für ihn braucht es in Rahmen von Moot Courts kein überragendes schauspielerisches Talent wie es zu weilen geboten wird. Vielmehr legt er Wert darauf, dass die Parteien gut vorbereitet sind, sich gut ausdrücken nicht zu sehr auf ihrer Position beharren sondern flexibel im Denken sind. Außerdem solle man sich als Mootie (aber auch aus Sicht der Anwaltschaft) immer vor Augen halten, dass es um die Interessen des Mandanten geht.

Wurde am Morgen noch die berufliche Sicht des Mootings besprochen – so kamen am Nachmittag die Studenten zum Zuge und es wurde zum Thema „Warum mache ich mit? Mooting aus studentischer Sicht“ debattiert. Schnell wurde klar: letztendlich aus den gleichen Gründen, aus denen die Anwaltschaft Mooties schätzt. Man kann mal etwas außerhalb des regulären Studienverlaufs im Team machen, interessante Länder bereisen und spannende Kontakte zu Studierenden, Praktikerinnen und Praktikern knüpfen. Außerdem kann das theoretische Wissen praktisch angewendet und ein wenig Anwaltsluft geschnuppert werden. Alle waren sich einig: die Zeit in den verschiedenen Moot Courts war mit die Beste ihres Studienverlaufs.

Der nächste Programmpunkt richtete sich explizit an die Studenten und bestand aus sechs verschiedenen Moot Camps. Thema „Sprache“, „Teamauswahl“, „Teamarbeit“, „Schriftsatz“, „Fundraising“ und „How to fake a case“ wurden sich in den einzelnen Workshops ausgetauscht und konnten neue Erfahrungen gesammelt werden.

Nach dem darauffolgenden „Streitgespräch: Dogmatik contra Rhetorik“ ging es zur Abschlussveranstaltung „Pflicht oder Kür: brauchen wir einen Rechtspraxisschein?“.

Dabei herrschte direkt Einigkeit: es ist auf keinen Fall verkehrt, wenn Studenten schon in einem frühen Stadium ihrer Ausbildung auch praktische Erfahrung sammeln und so auf die anwaltliche Realität vorbereitet werden – denn das werden die meisten Jurastudenten: Anwälte. Zu einer regen Diskussion führten dagegen die Fragen, ob Moot Courts oder auch Legal Clinics als fester oder sogar prüfungsrelevanter Bestandteil in das Jura-Studium aufgenommen werden sollten. Dies vor allem vor dem Hintergrund, dass gerade die praxisorientierten Studieninhalte nicht etwa im Lehrplan verankert sind sondern hauptsächlich in Zusatzveranstaltungen angeboten werden und vereinzelt auch im Rahmen der Schwerpunktbereiche. Was man dabei aber auch nicht vergessen darf, ist dass das deutsche Jurastudium darauf angelegt ist die Studenten zu sogenannten Einheitsjuristen auszubilden. Und der Weg zum Anwalt führt ja nicht nur über das erste Examen sondern auch über das zweite, wo das (praktische) Anwaltshandwerk erlernt wird. Zudem merkte Professor Wolf an, dass er ja immer dafür ist, wenn auch Studenten schon früh an die Praxis herangeführt werden – sonst würde er den Soldan Moot nicht organisieren – allerdings ist aus seiner Schicht das Studium sowieso schon zu überfrachtet und vereinheitlicht, insofern wünscht er sich mehr Freiheit für die Studenten bei der Ausgestaltung des Studium.

Bei Zwiebelkuchen, Wein und noch einigen Aufschlussreichen Gesprächen nahm die Tagung einen angenehmen Ausklang. Wir danken der Bucerius Law School und der Hans Soldan Stiftung für die Einladung – wir konnten viele interessante Eindrücke mit nach Berlin nehmen.